Jedem Jahresrückblick könnten die Worte "Es war viel los" voranstehen. Für das Jahr 2016 gilt das aber in besonderem Maße.

Wer noch vor fünf Jahren behauptet hätte, dass die Energiekonzerne Eon und RWE ihr Geschäft mit Großkraftwerken quasi in ein Art Bad Bank auslagern und sich stattdessen mit neuen Gesellschaften auf erneuerbare Energien und Dienstleistungen nah am Kunden fokussieren wollen, den hätte man getrost als Fantast bezeichnet. Doch genau diese Entwicklung hat das Jahr 2016 gebracht. Und mit ihr jede Menge personelle Veränderungen auf Konzernebene, auch wenn die Spitzenposten am Ende doch noch von den gleichen Köpfen besetzt werden.

Auch politisch war 2016 ein bewegtes Jahr: In Deutschland mit etlichen neuen Gesetzesinitiativen, die die Energiewende endlich auf stabilere Beine stellen sollen. Aber auch in der Schweiz, wo der Atomausstieg noch nicht vollzogen ist, aber politisch intensiv diskutiert wird. Wir blicken gemeinsam mit unseren verschiedenen Medien auf das Jahr 2016 zurück.

Die Trends des Jahres: Digitalisierung und Sektorkopplung

Trendthema in der Energiewirtschaft blieb 2016 die Digitalisierung. Schon in den Vorjahren bestimmten Begriffe wie Smart Grids oder Big Data die Debatte, wenn es um die Zukunft der Energieversorgung ging. 2016 kam ein völlig neuer Begriff dazu und verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Blockchain. Im Mai veranstaltete Vattenfall in seiner Berliner Zentrale den ersten Blockchain-Tag in der deutschen Energiewirtschaft – wir haben im energate messenger+ darüber berichtet. Vattenfall-Innovationschef Claus Wattendrup gab dabei unumwunden zu, noch nicht genau zu wissen, was sein Unternehmen mit der Technologie anfangen könne. Nur ein halbes Jahr später gab dann die halbe Energiewirtschaft in einer Umfrage der Deutschen Energieagentur an, sich mit der Nutzung von Blockchain zu beschäftigen.

Ursprünglich als Datentechnologie für Finanztransaktionen erdacht, entfacht Blockchain inzwischen auch für den Energiesektor sein disruptives Potenzial. Energieversorger fürchten, ihre traditionelle Rolle als Mittler zwischen Energieerzeugern und Versorgern zu verlieren. In einem Modellprojekt in den USA zeigen Akteure, dass genau das die Folge von Blockchain sein kann. Daher begeben sich nun viele Energieunternehmen auf die Fährte der Technologie, um sie zu verstehen und wenn möglich für sich selbst zu nutzen, wie namhafte Manager in einer Interview-Serie im energate messenger erläuterten. Der Hype um die Technologie, der binnen weniger Monate ausbrach, macht Blockchain dennoch zum Anwärter, das Unwort des Jahres im Energiemarkt zu werden - allerdings mit gehörigem Abstand zum Topanwärter Disruption.

So wie die Energiewirtschaft lernen musste, was die Blockchain ist, gehört inzwischen auch die Vokabel Accelerator zum Sprachschatz vieler Energiemanager. Vor allem für größere Energieversorger gehört es mittlerweile zum Pflichtprogramm, Netzwerke für sogenannte Start-ups aufzulegen. Sie erhoffen sich von der Zusammenarbeit mit kreativen Gründern Zugang zu den Geschäftsmodellen von morgen. "Innovation muss Teil unserer DNA werden", brachte Thomas Birr, Innovationschef bei der RWE-Tochter Innogy, die Anforderung an die Unternehmen nach jahrelangem innovativen Dämmerschlaf in unserem Digital-Magazin e21.digital auf den Punkt. "Digitalisierung heißt nicht, dass Unternehmen dasselbe machen wie bisher, nur mit Computern", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Ulrich Rohleder in der Januar-Ausgabe von e21.digital und lieferte damit eines der tollsten Zitate des Jahres.

Als Wort des Jahres dürfte 2016 die Sektorkopplung in die Geschichte der Energiewirtschaft eingehen. Nicht dass dieser Begriff erst in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt hätte. Mit der Verabschiedung des lange umstrittenen Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung etablierte sich die Sektorkopplung jedoch in diesem Jahr als wesentliches energiepolitisches Ziel - nicht nur der kommenden Jahre, sondern der kommenden Jahrzehnte. Die verstärkte Nutzung von Strom soll die Energiewende in den lange vor sich hindümpelnden Sektoren Wärme und Verkehr endlich anschieben. Elektrifizierung ist das Schlagwort, das die Dekarbonisierung der gesamten Wirtschaft einleiten soll, und im April war Thema eines Round-Table-Gesprächs unserer Fachzeitschrift e|m|w. Übrigens, welche Bedeutung das für die Gaswirtschaft hat, versuchte unser Autor Heiko Lohmann im Schwerpunkt der Mai-Ausgabe unserer monatlichen Publikation energate Gasmarkt zu beantworten. Power-to-X ist noch so eine Begrifflichkeit, die uns sicher auch im kommenden Jahr begleiten wird.

Die energiepolitische Bilanz

Ginge es allein nach Wirtschaftssaatsekretär Rainer Baake, der als Mastermind für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Energiewende konzipiert, ist die energiepolitische Bilanz des Jahres 2016 eine grandiose Erfolgsstory. Zum Jahresende erklärte er, dass man die Probleme der Energiewende "abgeräumt" habe. Auf den verkorksten Großbaustellen, die die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hinterlassen hat, kann jetzt laut Baake Richtfest gefeiert werden.

In der Tat hat das Wirtschaftsministerium 2016 bei der Gesetzgebung ein beachtliches Pensum abgearbeitet: Allein vor der Sommerpause brachte es ein Paket aus EEG 2017 , Strommarktgesetz und Digitalisierungsgesetz über die Hürden. Die Marktintegration der Erneuerbaren ist mit der Auktionspflicht für die EEG-Förderung und einem renoviertem Energy-Only-Markt auf der Zielgeraden. Auch den gordischen Netzknoten durchschlug Gabriel mit einer Vorrangregelung für Erdverkabelung. Der Netzausbau kann Fahrt aufnehmen, womit das Ende der Debatte um explodierende Redispatch-Kosten und eine Aufteilung des einheitlichen deutschen Marktgebiets näher rückt. Auch beim Finanzierungsstreit bei der Atomentsorgung hat Gabriel in einen Konsens überführt, der die Zivilgesellschaft befriedigt, weil die Atomkonzerne ob des üppigen Risikoaufschlags hörbar mit den Zähnen knirschen.

Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Das machten VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche und BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer in Interviews mit der energate-Fachzeitschrift e|m|w deutlich und mahnten unter anderem bessere Rahmenbedingungen für den Netzausbau an. Auch die EEG-Reform bleibt umstritten. Erneuerbarenverbände und die Grünen im Bundestag warnen vor einem Abwürgen der Energiewende. Industrieverbände sehen unterdessen die Gefahr des weiteren Kostenanstiegs noch immer nicht gebannt. Barbara Minderjahn, Geschäftsführerin des Verbandes der industriellen Kraftwirtschaft (VIK), und Oliver Krischer, stellvertretender Vorsitzende der Grünen im Bundestag, lieferten sich dazu in der März-Ausgabe von e21.digital eine Kontroverse. Und auch die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge bleibt ein Streitthema und erweist sich bislang trotz millionenschwerer Anschubhilfe durch den Staat als Flop.

Auch sonst ist der gesetzgeberische Durchmarsch teuer erkauft. Beim Strommarktgesetz scheiterte Baake seinem Vorschlag für eine CO2-Abgabe bei alten Kohlemeilern am konzertierten Widerstand von Konzernen, Gewerkschaften und Braunkohle-Ländern. Statt einer CO2-Abgabe ziert nun eine Sicherheitsreserve das Strommarktgesetz, in der alte Kohlemeiler mit milliardenschweren Entschädigungszahlungen stillgelegt werden. Auf der Preisliste steht auch der Klimaschutz. Zunächst verwässerten Gabriel und Bundeskanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) den Klimaschutzplan 2050 von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie bestanden auf dem Primat der Industriepolitik und verweigerten eine Terminierung beim Kohleausstieg. Fast unmittelbar nach Verabschiedung des Klimaschutzplans durch das Kabinett, musste Hendricks einräumen, dass schon die Klimaziele für 2020 nicht reichen werden. Zur Bilanz 2016 gehörte übrigens auch die deutsche Unterschrift unter den UN-Klimavertrag von Paris.

Unternehmen im Wandel

Das Jahr 2016 stand im Zeichen zweier Börsengänge: Die beiden Konzerne RWE und Eon brachten ihre ausgegründeten Tochtergesellschaften Innogy und Uniper an die Börse. Die RWE-Tochter Innogy, die die Geschäftsbereiche erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb weiterführen soll, ging Anfang April offiziell an den Start. Damals aber noch ohne Namen, denn den präsentierte RWE erst im Sommer. Im Oktober meisterte Innogy schließlich den Gang an die Börse, wobei RWE unter anderem den US-Investor Blackrock als namhaften Großaktionär gewinnen konnte. Auch der Eon-Konzern unternahm die Aufspaltung und schickte seine neue Tochtergesellschaft Uniper ebenfalls im Herbst an die Börse. Zugleich spürte der Konzern aber die wirtschaftlichen Folgen der Energiewende: "Eon geht mit Milliardenverlust in die Aufspaltung", titelte der energate messenger im März.

Auch der Energiekonzern Vattenfall baute sein Geschäft - auf Druck der schwedischen Regierung - im vergangenen Jahr drastisch um. Das Unternehmen verkaufte nach monatelangen Verhandlungen die Braunkohlesparte an ein tschechisches Konsortium um den EPH-Konzern. Dieser kündigte an, die Tagebaue und Kraftwerke als "Lausitz Energie AG" (Leag) weiterzuführen. Vattenfall vollzieht derweil einen Strategieschwenk und setzt künftig stärker auf erneuerbare Energien - insbesondere die Windkraft. Der Konzern sorgte für Aufsehen, als er sich in einer dänischen Ausschreibung für Offshore-Windkraft mit einem Gebot von 4,9 Cent/kWh durchsetzte. "Bei dem Gebot wurde der zu erwartende technologische Fortschritt auf der Turbinenseite berücksichtigt, die den größten Kostenblock ausmacht", erklärte Vattenfall-Vorstand Gunnar Groebler im Anschluss gegenüber energate.

Der EnBW-Konzern machte derweil mit einer Übernahme von sich Reden: Im Frühjahr kaufte das Unternehmen der EWE AG die Mehrheit am Gasversorger VNG ab. "Der Erwerb der VNG ist der nächste und mit Abstand größte Schritt, mit dem wir unser Gasgeschäft auf einen Schlag mehr als verdoppeln werden", erklärte EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux im Interview mit dem energate messenger.

Insgesamt machten den Unternehmen allerdings Schwierigkeiten im operativen Geschäft - allen voran im Kraftwerksbetrieb - zu schaffen. Dies bekam auch der Kraftwerksbetreiber Steag zu spüren, der 2016 seine Strategie korrigieren musste: "Steag will 2.500 MW Steinkohlekapazität stilllegen" titelte der energate messenger Anfang November.

Derweil machten auch neue Player von sich reden: Etwa der Speicherhersteller Sonnen , der getrieben von der Nachfrage nach Solarstromspeicher ein enormes Wachstum verzeichnete. In den USA machte derweil der Elektroautobauer Tesla auf sich aufmerksam, indem es das Solarunternehmen Solarcity übernahm und damit neue Wege einschlug: "Tesla will integrierter Energievesorger werden", hieß es im Juni im energate messenger. Als weitere neue Konkurrenten betraten etwa der E-Mail-Dienste Web.de und GMX mit Stromtarifen den Energiemarkt.

Personalien

2016 gab es einige personelle Veränderungen. In der Berliner Verbändelandschaft gab es genauso Bewegung wie bei den sich wandelnden Energiekonzernen RWE und Eon mit ihren neuen Töchtern Innogy und Uniper. Auch bei den großen deutschen Stadtwerken tat sich einiges, vor allem im Hannover.

Verbände

Einige Gremien wurden verschlankt. So wurde Babara Minderjahn alleinige Geschäftsführerin des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Der Posten der ausgeschiedenen Hauptgeschäftsführerin Annette Loske wurde nicht mehr besetzt. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), verkündete seinen Rückzug. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen.

Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rückte Stefan Kapferer, ehemaliger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, an die Spitze. Er wurde im Mai Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung. Nach Katherina Reiche, die die Hauptgeschäftsführung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) übernahm, war es der zweite hochrangige Politiker, der innerhalb kurzer Zeit in einen energiewirtschaftlichen Verband wechselte. Allerdings hielt sich bei Kapferer - im Gegensatz zur Personalie Reiche - die öffentliche Aufregung in Grenzen. Vielleicht weil er einen Zwischenstopp bei der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris eingelegt hatte. Womöglich stellte sich bei der Öffentlichkeit aber auch ein gewisser Gewöhnungseffekt ein.

Konzerne

Kapferers Vorgängerin beim BDEW, Hildegard Müller, wurde Netzvorstand bei Innogy . Alle übrigen Vorstandssessel für die beiden aufgespaltenen Gesellschaften RWE AG und Innogy besetzte der Konzern quasi "aus dem Bestand". Allerdings drehte sich das Personalkarussell kräftig. In die erste Führungsriege bei Innogy rückten Martin Herrmann (Vertrieb) und Hans-Bünting auf, der auch in der neuen Gesellschaft für die Erneuerbaren zuständig ist. Die bisherigen RWE-Vorstände Bernhard Günther (Finanzen) sowie der Vorstandsvorsitzende Peter Terium wechselten zu Innogy. Uwe Tigges ist zunächst noch in den Vorständen beider Unternehmen vertreten. Er teilt sich bei der RWE AG die Arbeit mit Rolf Martin Schmitz, der als Vorsitzender in die Fußstapfen von Peter Terium trat. Dritter im Bunde ist Markus Krebber, der auf Bernhardt Günther folgte.

Kontinuität ist der Kurs beim drittgrößten deutschen Energiekonzern, der EnBW AG. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Mastiaux vorzeitig um fünf Jahre bis 2022. Auch der Vertrag von Technikvorstand Hans-Josef Zimmer wurde verlängert - bis 2021. Damit läuft der Vertrag so lange, wie laut Statuten maximal möglich ist - und das, obwohl gegen Zimmer weiterhin zwei Gerichtsverfahren anhängig sind. Nach der Übernahme des Leipziger Ferngasnetzbetreibers VNG tauschte EnBW den dortigen Chef aus. Ulf Heitmüller rückte von der Spitze des Aufsichtsrats auf den Chefposten im VNG-Vorstand, wo er den langjährigen Vorsitzenden Karsten Heuchert ersetzte. Neuer Aufsichtsratschef der VNG ist EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Stadtwerke

Bei den Stadtwerken Hannover fand ein hingegen ein Generationenwechsel statt. Mit Michael Feist ging einer der Grand Seigneurs der Energiewirtschaft in den Ruhestand. Für ihn kam Susanna Zapreva Anfang April auf den Chefsessel. Die gebürtige Wienerin bringt frischen Wind ins Unternehmen, was sie im Interview mit der energate-Fachzeitschrift e|m|w zum Ausdruck brachte: "Die Digitalisierung wird zu einer Überlebensfrage werden". Im Herbst wurde schließlich bekannt, dass auch die beiden anderen Vorstände ausgetauscht werden. Personalvorstand Jochen Westerholz wird 2017 von Kai-Uwe Weitz abgelöst, der bisherige Technikvorstand Harald Noske durch den bisherigen Finanzdezernenten der Stadt, Marc Hansmann.

Constantin Alsheimer kündigte an, seinen Ende März 2017 auslaufenden Vertrag als Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH nicht zu verlängern. Zur Begründung hieß es, Alsheimer wolle sich ganz auf die "anstehenden Herausforderungen" als Vorstandsvorsitzender bei der zum Stadtwerke-Konzern gehörenden Mainova AG konzentrieren. Auch er sprach im e|m|w-Interview mit uns über die aktuelle Situation seines Unternehmens.

Das Energiejahr 2016 in der Schweiz

Das Jahr 2016 war ein Jahr der großen Entscheide. Zunächst stimmte das Parlament dem ersten Maßnahmenpaket der Energiestrategie 2050 mit großer Mehrheit zu. Mit der Energiestrategie beschreibt die Schweiz unter anderem den Pfad, wie das Land die Atomenergie durch erneuerbare Energien ersetzen will. Doch der Atomausstieg hätte auch schneller vonstattengehen können, denn Ende November konnten die Schweizer entscheiden, ob schon in den nächsten Jahren Atomkraftwerke aus Altersgründen vom Netz gehen müssen. Eine Mehrheit der Schweizer wollte dies jedoch nicht, womit auch der Berner Versorger BKW sein Kraftwerk Mühleberg nicht früher vom Netz nehmen muss. Daher hatte sich der BKW-CEO Suzanne Thoma auch in einem Interview mit dem energate-Fachmagazin e|m|w entsprechend gegen die "Atomausstiegsinitiative" positioniert.

Gegen die in diesem Jahr zu Ende beratene Energiestrategie hat die SVP bereits das Referendum ergriffen. Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) geht davon aus, dass es zustande kommt, "aufgrund der Wählerstärke der SVP", wie sie in einem energate-Interview sagte. Werde die Energiestrategie an der Urne versenkt - wovon Leuthard nicht ausgeht - wäre die SVP in der Pflicht zu erklären, wie es weitergeht. Klar positionierte sich Leuthard in eigener Sache: "Ich habe nach wie vor viel Freude an meiner Tätigkeit", sagte sie mit Blick auf Spekulationen, sie werde vorzeitig zurücktreten. Dies würden sich allenfalls einige wünschen, sei "aber nicht der Fall", betonte sie.

Was das Jahr 2016 aus Unternehmenssicht angeht, war der Einstieg der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) beim Bündner Versorger Repower eine der herausragenden Geschichten. Durch die niedrigen Strompreise im Großhandel ist Repower als Stromproduzent besonders betroffen und hat sich deshalb nicht nur ein Sparprogramm auferlegt, sondern auch nach neuen Geldgebern gesucht. Neben den EKZ wurde auch der Fonds UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland KGK Aktionär von Repower. Die Beteiligung fand über eine Kapitalerhöhung statt.

Ein großes Thema in der Branche war auch ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts zu den "gefangenen Endkunden". Damit gemeint ist, dass in der Schweiz die privaten Stromkunden ihren Anbieter nicht frei wählen können. Das Bundesgericht hatte die sogenannte "Durchschnittspreis-Methode" der Regulierungsbehörde Elcom bestätigt. Diese zwingt die Energieversorger, die aktuell niedrigen Preise im Stromgroßhandel anteilsmäßig auch an die gefangenen Endkunden weiterzugeben. Das Urteil "verunsichert die Branche" berichtete in der Folge der energate messenger Schweiz. Mittlerweile hat sich die Energiekommission des Ständerats, der zweiten Parlamentskammer,gegen die "Durchschnittspreis-Methode" ausgesprochen.

2016 - das war auch das letzte Jahr von Walter Steinmann an der Spitze des Bundesamtes für Energie (BFE), dem er 15 Jahre vorstand. In seinem energate-Abschiedsinterview zog er Bilanz: "Auf nationaler Ebene war die Energiestrategie klar das wichtigste Dossier meiner Amtszeit." "Wir erhielten den Auftrag, innerhalb von vier Wochen ein Szenario ohne neue Kernkraftwerke auszuarbeiten", sagte Steinmann mit Blick auf die Wochen nach der Fukushima-Katastrophe. Darauf basierend habe der Bundesrat dann die neue Energiepolitik beschlossen.