In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner EWC veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig den Langzeitindex der aktuellen Wind- und Solarstromproduktion . Der Index stellt einen Bezug her zum Energiewetter der letzten 37 Jahre und macht damit die Einspeisung aus Sonnen- und Windkraft langfristig vergleichbar.

Marktbeteiligte, die sich mit dem Handel und der Vermarktung von Strom aus Erneuerbaren-Anlagen beschäftigen, erhalten mit dem Langzeitindex einen Überblick, wie die Ökostromerzeugung im Bezugszeitraum in die Historie einzuordnen ist, welchen Bezug es zu aktuellen meteorologischen Ereignissen gibt und wie sich die aktuelle Produktion gegenüber dem Durchschnitt verhält.

Langzeit Archiv

Langzeitindex Wind

Monat Langzeitindex Wind Stärkster Vergleichsmonat Schwächster Vergleichsmonat
Produktion (GWh)* Rang Prozent-rang** im Jahr Produktion (GWh)* im Jahr Produktion (GWh)*
Juni 2017
6.741
4 aus 39
124,37
1991
7.783
1989
3.406

Datenquelle: EWC
* Langzeitindex auf Basis des aktuellen Anlagenbestands, kann von der tatsächlichen Energieproduktion abweichen.
** Mittelwert 1979-2016 = 100 %

Langzeitindex Solar

Monat Langzeitindex Wind Stärkster Vergleichsmonat Schwächster Vergleichsmonat
Produktion (GWh)* Rang Prozent-rang** im Jahr Produktion (GWh)* im Jahr Produktion (GWh)*
Juni 2017
5.212
1 aus 39
106,35
2017
5.212
1987
4.536

Datenquelle: EWC
* Simulierte Energieproduktion mit dem aktuellen Anlagenbestand, kann von der tatsächlichen Energieproduktion abweichen.
** Mittelwert 1979-2016 = 100 %

Meteorologische Ereignisse im Juni 2017

Der Juni ist der erste Sommermonat aus meteorologischer Sicht. Der hohe Sonnenstand führt zur astronomisch längsten Sonnenscheindauer des Jahres über einen ganzen Monat gesehen. Großräumige Stürme treten in diesem Monat in Mitteleuropa nicht mehr auf, jedoch können sich lokal starke Gewitter bilden, die mit Sturmböen oder gar Orkanböen einhergehen. Diese nur kurzzeitig auftretenden hohen Windgeschwindigkeiten liefern normalerweise nur einen geringen Beitrag zur Windstromproduktion.

Der vergangene Juni war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) außergewöhlich warm und sonnenscheinreich, lediglich im Norden und Westen war es zeitweilig kühler. In der sehr warmen Luft bildeten sich immer wieder heftige Gewitter einhergehend mit großen Niederschlagsmengen und schweren Sturmböen. Seit Beginn der Messungen gehört der vergangene Juni zu den wärmsten Junimonaten (an 4. Stelle).

Die laut DWD deutlich positive Sonnenscheinbilanz im Juni 2017 führte auch zu einem neuen Rekord in der Solarstromproduktion. Mit 5.212 GWh wurde mehr Strom aus Sonnenenergie erzeugt als in den vergangenen 38 Jahren bei aktuell installierter Leistung hätte erzeugt werden können.

In der Windenergieerzeugung gab es mehrere Zeiträume mit erhöhten Produktionen - dabei fällt besonders der Zeitraum um den 7. Juni auf. Das Sommertief Ingraban sorgte vielerorts für Gewitter - besonders an den Küsten und Mittelgebirgen kam es verbreitet zu Sturmböen. Verglichen mit den bei aktuell installierter Leistung möglichen Windenergieerträgen liegt der vergangene Juni mit 6.741 GWh auf Platz 4. Im Jahr 1991 wäre mit 7.783 GWh im Jahr 1991 am meisten Windenergie erzeugt worden.

Insgesamt wurden aus Wind- und Solarenergie im Juni 11.953 GWh erzeugt. Auch dies bedeutet bei aktuell installierter Leistung und verglichen mit den vergangenen 38 Jahren einen 4. Rang - trotz der herausragenden Solarstromproduktion. Spitzenreiter wäre auch hier mit 12.540 GWh das Jahr 1991 (aufgrund der hohen Windstromproduktion) gewesen.


Quelle: EWC
Wind- und Solarleistung Deutschland vom 6/2017

Langzeitbezug

EWC hat die historische Produktion für den aktuellen Anlagenbestand anhand von Wetterdaten physikalisch simuliert. So werden die meteorologischen Bedingungen zur Grünstromerzeugung rückwirkend bis zum Jahre 1979 vergleichbar gemacht. Der Bestand an Erzeugungsanlagen wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht.

Für den Index wurden aus den stündlichen Zeitreihen auf Anlagen- bzw. Postleitzahlenebene die deutschlandweiten Solar- und Windstromproduktionen aggregiert und aus den 37 Jahren eine Wochenklimatologie abgeleitet. Diese dienen als Referenz für die aktuellen Wind- und Solarstromproduktionen (wöchentlich, monatlich). Der Index gibt daher den monatlichen Prozentrang an, wobei 100 Prozent die mittlere Produktion des entsprechenden Monats während der letzten 37 Jahre darstellt.

Datengrundlage

Der Index als Teil der Energiemeteorologischen Analyse basiert auf stündlichen Daten des MERRA-Projektes (Modern Era-Retrospective Analysis for Research and Applications), die mit Hilfe des Goddard Earth Observing System Data Assimilation System Version 5 (GEOS-5) der NASA gewonnen wurden (Illustration 1). Diese Reanalyse liefert Daten ab 1979. Mit Hilfe dieser Analysen wurden die im Dezember 2015 aktiven Wind- und Solarenergieanlagen (Illustration 2) für den gesamten Zeitraum 1979 – 2015 von EWC prognostiziert, wozu verschiedenste Parameter aus der MERRA-Reanalyse herangezogen wurden (3D-Windfelder, Strahlungsdaten, Wolkeninformationen, Schnee, etc.). Für den Wind wurden somit etwa 25000 stündliche Zeitreihen erstellt, die Solarenergieanlagen wurden auf Postleitzahlenebene zusammengefasst. Der Basisdatensatz umfasst somit stündliche Z eitreihen von 1979 bis 2015 für alle deutschen Windenergieanlagen und Solarenergieanlagen, letztere aggregiert auf PLZ-Ebene.