In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner EWC veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig den Langzeitindex der aktuellen Wind- und Solarstromproduktion . Der Index stellt einen Bezug her zum Energiewetter der letzten 37 Jahre und macht damit die Einspeisung aus Sonnen- und Windkraft langfristig vergleichbar.

Marktbeteiligte, die sich mit dem Handel und der Vermarktung von Strom aus Erneuerbaren-Anlagen beschäftigen, erhalten mit dem Langzeitindex einen Überblick, wie die Ökostromerzeugung im Bezugszeitraum in die Historie einzuordnen ist, welchen Bezug es zu aktuellen meteorologischen Ereignissen gibt und wie sich die aktuelle Produktion gegenüber dem Durchschnitt verhält.

Langzeit Archiv

Langzeitindex Wind

Monat Langzeitindex Wind Stärkster Vergleichsmonat Schwächster Vergleichsmonat
Produktion (GWh)* Rang Prozent-rang** im Jahr Produktion (GWh)* im Jahr Produktion (GWh)*
Januar 2017
7.833
28 aus 39
75,73
2007
17.365
1997
4.721

Datenquelle: EWC
* Langzeitindex auf Basis des aktuellen Anlagenbestands, kann von der tatsächlichen Energieproduktion abweichen.
** Mittelwert 1979-2016 = 100 %

Langzeitindex Solar

Monat Langzeitindex Wind Stärkster Vergleichsmonat Schwächster Vergleichsmonat
Produktion (GWh)* Rang Prozent-rang** im Jahr Produktion (GWh)* im Jahr Produktion (GWh)*
Januar 2017
800
17 aus 39
98,61
2006
1.355
1988
498

Datenquelle: EWC
* Simulierte Energieproduktion mit dem aktuellen Anlagenbestand, kann von der tatsächlichen Energieproduktion abweichen.
** Mittelwert 1979-2016 = 100 %

Meteorologische Ereignisse im Januar 2017

Der Januar steht für den Hochwinter in Deutschland. Immer wieder kommt es zu Kaltfrontdurchgängen mit Graupel-/Schneeschauern und starken Böen. Auch einzelne Wintergewitter mit Sturmböen sind möglich. Anschließend etabliert sich nicht selten ein ausgedehntes Hochdruckgebiet über Nordosteuropa, das kalte und trockene Festlandsluft nach Mitteleuropa bringt. Dadurch gibt es bei einem mäßigen Ostwind oftmals viele Sonnenstunden im ganzen Land.

Das Jahr 2017 begann dementsprechend unter Einfluss von Tiefdruckgebieten mit teilweise kräftigen Niederschlägen die überwiegend als Schnee fielen. Ab etwa Mitte Januar rückten nach und nach Hochdruckgebiete nach, die für starke Abkühlung sorgten. Dies führte zu sehr frostigen Temperaturen aber auch zu viel Sonnenschein. Die durchschnittliche Temperatur im Januar lag unter dem klimatologischen Mittelwert - laut Deutschem Wetterdienst (DWD) war dies seit 7 Jahren der erste erwartungsgemäß kalte Januar.

Durch die Tiefdruckgebiete die das Wetter über Deutschland in der ersten Januarhälfte 2017 mit regional hohen Windgeschwindigkeiten dominierten (Tiefdruckgebiete Benjamin (5.1.), Egon 11.1.) und Finjas (15.1.)) war die Windstromproduktion entsprechend hoch. In der zweiten Monatshälfte konnten jedoch währen überwiegend ruhigem Hochdruckwetter nur verhältnismäßig geringe Windstromerträge erzielt werden. In Summe wurden 7833 GWh Strom aus Windkraft produziert. Dies ist im Vergleich seit 1979 und bezogen auf die aktuell installierte Leistung deutlich unterdurchschnittlich (Rang 28 von 39). Der ertragreichste Januar wäre mit der aktuell installierten Leistung im Jahr 2007 mit 17365 GWh gewesen.

Die vielen Tage unter Hochdruckeinfluss führten zu überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden (laut DWD gehört der Januar 2017 damit zu den vier sonnenscheinreichsten Januarmonaten seit 1951). Regional gab es aber große Unterschiede - der Süden bekam deutlich mehr Sonnenstunden ab als der Norden. Aufgrund der regionalen Verteilung der PV-Anlagen war die Solarstromproduktion trotzdem eher durchschnittlich - wiederum verglichen mit den letzten 38 Jahren und bezogen auf die aktuell installierte Leistung. Mit 800 GWh liegt der Januar 2017 auf Rang 17 - der ertragreichste Januar für Solarenergie wäre demnach im Jahr 2006 mit 1355 GWh gewesen.

Insgesamt betrug die erzeugte Energie aus Windkraft- und Solaranlagen im Januar 2017 8633 GWh. Dies ist, verglichen mit den Januarmonaten seit 1979 und bezogen auf die aktuell installierte Leistung, deutlich unterdurchschnittlich und entspricht dem Rang 27. Der ertragreichste Januar für die Gesamtstromproduktion wäre wie schon bei der Windstromproduktion der Januar 2007 mit 17869 GWg gewesen.


Quelle: EWC
Wind- und Solarleistung Deutschland vom 1/2017

Langzeitbezug

EWC hat die historische Produktion für den aktuellen Anlagenbestand anhand von Wetterdaten physikalisch simuliert. So werden die meteorologischen Bedingungen zur Grünstromerzeugung rückwirkend bis zum Jahre 1979 vergleichbar gemacht. Der Bestand an Erzeugungsanlagen wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht.

Für den Index wurden aus den stündlichen Zeitreihen auf Anlagen- bzw. Postleitzahlenebene die deutschlandweiten Solar- und Windstromproduktionen aggregiert und aus den 37 Jahren eine Wochenklimatologie abgeleitet. Diese dienen als Referenz für die aktuellen Wind- und Solarstromproduktionen (wöchentlich, monatlich). Der Index gibt daher den monatlichen Prozentrang an, wobei 100 Prozent die mittlere Produktion des entsprechenden Monats während der letzten 37 Jahre darstellt.

Datengrundlage

Der Index als Teil der Energiemeteorologischen Analyse basiert auf stündlichen Daten des MERRA-Projektes (Modern Era-Retrospective Analysis for Research and Applications), die mit Hilfe des Goddard Earth Observing System Data Assimilation System Version 5 (GEOS-5) der NASA gewonnen wurden (Illustration 1). Diese Reanalyse liefert Daten ab 1979. Mit Hilfe dieser Analysen wurden die im Dezember 2015 aktiven Wind- und Solarenergieanlagen (Illustration 2) für den gesamten Zeitraum 1979 – 2015 von EWC prognostiziert, wozu verschiedenste Parameter aus der MERRA-Reanalyse herangezogen wurden (3D-Windfelder, Strahlungsdaten, Wolkeninformationen, Schnee, etc.). Für den Wind wurden somit etwa 25000 stündliche Zeitreihen erstellt, die Solarenergieanlagen wurden auf Postleitzahlenebene zusammengefasst. Der Basisdatensatz umfasst somit stündliche Z eitreihen von 1979 bis 2015 für alle deutschen Windenergieanlagen und Solarenergieanlagen, letztere aggregiert auf PLZ-Ebene.