15.03.19, 15:10 von Thorsten Czechanowsky

Essen/Köln (energate) - Der RWE-Konzern will im Rheinischen Revier ein bestehendes Kohlekraftwerk zu einem Wärmespeicherkraftwerk umrüsten. Die Kraftwerkstochter RWE Power plane zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der FH Aachen ein entsprechendes Pilotprojekt auf Flüssigsalz-Basis, teilte das Unternehmen mit. "Das Projekt hat großes Potenzial - nicht nur mit Blick auf Energiewende und Versorgungssicherheit, sondern auch für den Strukturwandel im Rheinischen Revier", betonte Lars Kulik, Vorstandsmitglied der RWE Power AG. "Wenn sich die Technik bewährt, könnten Wärmespeicher dazu beitragen, dass unsere Kraftwerksstandorte in der Region auch nach Ende der Kohleverstromung eine wichtige Rolle in der Energieversorgung spielen." Der genaue Standort stehe noch nicht fest. Mit dem Bau kann laut RWE Anfang der 2020er Jahre begonnen werden.

Leitprojekt für "Das Rheinische Zukunftsrevier"

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NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte nach einem Treffen im Bundeskanzleramt zum Kohleausstieg im Januar für den Bau eines Wärmespeicherkraftwerks geworben (energate berichtete). Laut RWE hat das Land das Projekt in sein Sofortprogramm "Das Rheinische Zukunftsrevier" aufgenommen und stellt im Rahmen des Förderprogramms "progres.nrw" 2,9 Mio. Euro bereit. Zusätzlich wollen die Projektpartner, eine Förderung durch den Bund beantragen. DLR und FH Aachen hatten bereits im vergangenen Jahr Interesse an einem Pilotprojekt angekündigt (energate berichtete). "Das Solar-Institut Jülich hat die Idee des Wärmespeicherkraftwerks in den letzten Jahren in mehreren Forschungsprojekten vorangetrieben und wir sind nun hoch motiviert, bei der Realisierung mitwirken zu können", sagte Professor Ulf Herrmann vom Solar-Institut Jülich der FH Aachen.

Wärmespeicher ersetzt Braunkohle schrittweise

In einem Wärmespeicherkraftwerk wird in einem elektrischen Erhitzer mit überschüssigem Strom flüssiges Salz auf bis zu 600 Grad aufgeheizt und dann in einem Tank gespeichert. Bei erhöhtem Strombedarf wird diese Salzschmelze zur Dampferzeugung über einen Wärmetauscher geleitet. Das Salz kühlt dabei auf 250 bis 300 Grad ab und wird in einem weiteren Tank zwischengespeichert. Der dabei entstehende Dampf wird zur Stromerzeugung in die Turbine des Kraftwerkblocks eingespeist. Laut RWE ersetzt der Dampf zunächst einen Teil der ansonsten mit Braunkohle erzeugten Dampfmenge. Die Kapazität des Wärmespeichers könne aber mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien erweitert werden. Nach dem Ende der Kohleverstromung sei es möglich, die Anlage vollständig mit regenerativen Energien zu betreiben. /tc